Familienunternehmen - jetzt sind wir komplett

Warum es innerfamiliär nicht immer leicht war

Wer kennt sie nicht – die Klagen zahlreicher Familienunternehmen über mangelnden Nachwuchs. Händeringend wird die Nachfolge-Generation motiviert, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Nur selten reicht die Überzeugungskraft aus. Unsere Tochter Anna (25) dagegen wollte schon nach  Abschluss der 10. Klasse unbedingt Tischlerin werden. Wir aber rieten ihr von einer Ausbildung in der elterlichen Firma ab. Denn wir waren überzeugt: ‚Das macht man nicht.‘ Also empfahlen wir weitere drei Jahre Schule und Abitur. Gesagt, getan.

Damit war das Thema Tischler-Ausbildung allerdings nicht vom Tisch. Auch nach dem Abi wollte sie genau das. Wieder legten wir ein Veto ein. Denn dieser Beruf ist – gerade für Frauen – alles andere als leicht. Erneut folgte sie unserem Vorschlag, Architektur in Dresden zu studieren. Eine kleine Wohnung nahe der Uni war schnell gefunden. In dem sanierten Altbau war mit 3 m Raumhöhe zwar viel Luft nach oben, aber sonst wenig Platz. Also baute ihr Vater kreativ und mit viel Elan die Möbel für die kleinen Räume – vom Etagenbett über den Kleiderschrank und den Schreibtisch bis zur Küchenzeile.

Warum es Eltern nicht immer besser wissen
Doch auch das erste eigene kleine Reich machte Anna in Dresden nicht glücklich. Weder das Studium, noch das Umfeld, noch die ‚Entfernung‘ von der Familie – nichts passte. Nach nur zwei Semestern warf Anna das Handtuch und wollte zurück. Unsere Antwort: ‘Okay, dann such dir hier etwas – chillen ist nicht!‘ Ihr zu Gute kam zeitgleich ein längerer krankheitsbedingter Ausfall unserer Sekretärin. Also übernahm Anna nach reiflicher Überlegung unsererseits 2015 einen Platz in unserem Büro. Und wer hätte das gedacht: Es passte besser als erwartet. Mit Umsicht, Fröhlichkeit und dem Blick fürs Detail unterstützte uns Anna. Bis ihr selbst klar wurde, dass auch ein Bürojob eine gute Lösung wäre. Zu diesem Zeitpunkt vertraten wir immer noch die Meinung, dass sie nicht im elterlichen Betrieb lernen sollte. Deshalb startete sie schließlich extern im Herbst 2015 eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Endlich: Ein Treffer! Das nette Team und der abwechslungsreiche Job im Großunternehmen gefielen ihr. Dennoch stand für Anna schon im Januar 2018 fest: für immer will sie nicht in einem so großen Unternehmen tätig sein. Und schwupps hatten wir das Thema wieder auf dem Tisch – zum dritten Mal! Langsam wurde uns klar: ‚Wenn wir das jetzt wieder verneinen ist uns nicht zu helfen. Andere suchen händeringend Nachwuchs und uns wird er auf dem Silbertablett serviert! ‘

Unerlässlich: Zahlreiche Vorgespräche
Also definierten wir in mehreren Gesprächen, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte. Einfach war das nicht, denn wir wünschten uns für Anna einen eigenen Aufgabenbereich, den sie eigenverantwortlich überwacht, bearbeitet, ausführt! Und dass wir alle unter einem Dach wohnen und arbeiten, hat es auch nicht leichter gemacht. Freiräume für jeden mussten geschaffen werden und Toleranz musste von Anfang an zum Geilert-Alltag gehören.

Seit Sommer 2018 unterstützt uns Anna bei unseren Marketing-Aktivitäten, betreut und organisiert Veranstaltungen und arbeitet sich emsig in ihren Aufgabenbereich ein. Wir sind noch immer in der Findungsphase und stoßen zuweilen auch an Grenzen, weil Jung und Alt bekanntlich oft unterschiedliche Sichtweisen haben. Aber am gemeinsamen Ganzen, am Familienunternehmen, das auch wirklich von der Familie geführt wird, halten wir jetzt fest.

Denn eigentlich ist es doch großartig, wenn sich der Nachwuchs für das Unternehmen der Eltern begeistert und Verantwortung übernehmen will. Zumal Anna in der Hektik der 1990-iger Wendejahre groß wurde und deshalb genau weiß, was es bedeutet, ein Unternehmen zu führen – in guten wie in schlechten Zeiten.   

www.geilert-gmbh.de

Kommentare

10.07.2019 | Sven Dörndorfer

Dann wünsche ich weiterhin gutes Gelingen für das Familienunternehmen!

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