Warum findet ein Werkstattkonzert mit Gewandhausmusikern bei Geilert statt?

Klassische Musik ist ein Erlebnis für den Zuhörer – und kann viel bewegen. Das können die Gäste beim ersten Werkstattkonzert  des Reinhold Quartetts am 16. 11. bei Geilert in Altenhof erleben. Alle Einnahmen  kommen der Leipziger Stiftung für krebskranke Kinder zu Gute. Warum die finanzielle Unterstützung notwendig ist, und wie das Geld eingesetzt wird, erklärt Jan Klemm, stellvertretender Vereinsvorsitzender.

 

Herr Klemm, warum setzen Sie sich persönlich für den Elternverein krebskranker Kinder ein?

Mit der Krebs-Diagnose bei einem Kind verändert sich plötzlich das komplette Leben der gesamten Familie. Der Alltag wird völlig auf den Kopf gestellt und man weiß nie so recht, wie es weitergeht. Die Behandlung ist auch nicht nach einer Woche vorbei, sondern dauert oft viele Monate. Da tauchen viele Unsicherheiten auf, verbunden mit Ängsten und Traurigkeit.

Wir haben das selbst erlebt, als unser Sohn im Alter von 9 Jahren an Krebs erkrankt ist. Damals waren wir  sehr dankbar für die Unterstützung des Elternvereins. Denn hier wurden unserem Sohn Momente geschenkt, die ihm ein Lachen in die Augen gezaubert haben. Unser Sohn sagt heute noch, Jahre später:

„Papa, damals habe ich gemerkt, dass ich es schaffen kann, ich habe frische Kraft getankt.“ Das sind ganz besondere Momente.

Die Elternhilfe für krebskranke Kinder wurde vor fast 30 Jahren von betroffenen Eltern gegründet. Heute arbeiten wir mit professionellen Kinderpsychologen, Sport-, Kunst- und Musiktherapeuten, die den Kindern und der gesamten Familie in dieser schwierigen Zeit zur Seite stehen – am Krankenbett genauso wie beim Wiedereinstieg ins Leben.

Wir haben Glück gehabt und sind dafür sehr dankbar. Unser Sohn ist wieder mitten im Leben. Und weil wir wollen, dass diese Hilfe auch anderen Familien zu Gute kommt, engagiere ich mich jetzt ehrenamtlich.

Weshalb ist die Arbeit des Elternvereins so wichtig? Was kann das Angebot des Elternvereins bewirken?

Die Arbeit des Vereins leistet einen ganz wesentlichen Beitrag dazu, dass Familien mit krebskranken Kindern in Leipzig ab dem Zeitpunkt der Diagnose psychosozial aufgefangen, beraten und begleitet werden.

Im Fokus steht hierbei immer die gesamte Familie, denn die Krebserkrankung eines Kindes betrifft alle Familienmitglieder. Unsere Angebote erstrecken sich bis hin zur ambulanten psychosozialen Nachsorge.

Gerade der Bereich Nachsorge ist extrem wichtig, da Nebenwirkungen der Therapie bei den Kindern oft erst Jahre später auftreten. Aber auch die psychische Belastung oder Erschöpfung bei Eltern oder psychische Auffälligkeiten bei Geschwistern tauchen oft sehr zeitverzögert auf.

Und es sind selbstverständlich „nur“ Angebote, jede Familie entscheidet selbst, was sie in Anspruch nehmen möchte. In der Regel brauchen und wünschen die Familien aber möglichst viel Unterstützung.

Das Besondere an diesem Verein ist auch die Nachhaltigkeit seiner Arbeit. Projekte und Leistungen werden nicht unmotiviert angeschoben, sondern orientieren sich durchdacht an Bedarfen, die wir immer wieder prüfen. Das sind wir unseren Familien aber auch unseren Spendern schuldig.

Der Verein kann die Krankheit nicht heilen. Dafür ist die Medizin zuständig. Aber er kann die Heilung unterstützen. Was  bringen Ihre Angebote?

Die medizinische Behandlung einer Krebserkrankung ist das eine. Sie ist unabdingbar und zum Glück haben wir in der kinderonkologischen Abteilung am UKL eine hervorragende medizinische Versorgung und ein hochprofessionelles Ärzte/Pflegeteam. Die Psyche der kleinen Patienten und ihrer Angehörigen ist jedoch das andere. Hierfür gibt es keine Kassenleistungen, das heißt die Familien wären auf sich selbst gestellt.

Das Hauptanliegen der Elternhilfe ist die bestmögliche psychosoziale Versorgung der Familien, die wir organisieren und finanzieren. Zudem stellen wir Räume und Therapiematerialien zur Verfügung.

Was gehört noch zu Ihren Leistungen?

Unsere Angebote sollen den Kindern Spaß machen, den Klinikalltag erleichtern, ihr Selbstwertgefühl steigern und die Kinder spüren lassen: „Ich kann mich trotz Krebserkrankung sportlich bewegen, ein Instrument spielen oder eine kleines Kunstwerk schaffen“. Das ist enorm wichtig für die Psyche der Kinder.

Gleichzeitig ist all das präventiv, denn die Angebote fördern eine bessere Krankheitsbewältigung und -verarbeitung, physisch und psychisch.

Zum Leistungsspektrum gehören auch Angebote für Geschwister von an Krebs erkrankten Patienten. Diese leiden oft extrem unter der Situation, da die Eltern stark belastet sind, kaum noch Zeit haben und sie gefühlt „nach hinten rutschen“. Wir führen erlebnispädagogische Freizeiten und Geschwistertage durch und lassen die Geschwisterkinder spüren, dass ihre Probleme hier gehört werden.

Glücklicherweise und Dank langjähriger Forschung werden bundesweit ca. 80 - 85 % aller krebskranken Kinder und Jugendlichen geheilt. Dennoch schaffen es ca. 20 % nicht und sterben. Ein besonders wichtiges Anliegen ist die Betreuung dieser Familien. Wir begleiten sie in Palliativsituationen und unterstützen bei allem, was für die Vorbereitung auf den Fall des Sterbens und das „Danach“ benötigt wird.

Ich könnte hier noch viele Dinge nennen. Ausführliche Infos finden Sie auch im Internet und natürlich bieten wir auch persönliche Einblicke in unsere Arbeit.

Warum muss der Verein die Kosten für die Angebote und zusätzliche Therapien tragen?

Es gäbe keine psychosoziale Hilfe ohne uns als Verein. Dies ist ein bundesweites Problem, 2/3 der psychosozialen Leistungen werden von Vereinen und Initiativen getragen, wie wir es sind. Es ist uns nun aber endlich gelungen, mittels wissenschaftlicher Erhebungen über viele Jahre hinweg, mit Krankenkassen ins Gespräch zu kommen und diese zu überzeugen, dass präventive Leistungen auf Dauer Kosten sparen. Deutschlandweit einzigartig können wir nun erstmals eine halbe Stelle für Sporttherapie abrechnen. Das macht deutlich, dass wir als Verein auch eine politische Aufgabe haben.

Deshalb ist der Elternverein auf Spenden angewiesen. Wer unterstützt Sie?

Ja, die unsere Arbeit wird fast ausschließlich von Spendengeldern und zu einem kleinen Teil aus Fördermitteln finanziert. Wir können den Betroffenen nur helfen, wenn wir Menschen gewinnen, die uns wiederum helfen. Wir freuen uns, dass uns bisher alle Spender und Förderer so wohl gesonnen sind, dass sie uns seit vielen Jahren unterstützen, treu bleiben und zu Multiplikatoren für uns geworden sind.

Für den 16. November organisiert die Firma Geilert ein Werkstattkonzert mit Gewandhausmusikern zu Gunsten des Vereins und der Stiftung! Wie finden Sie diese Idee?

Diese Idee ist sehr besonders. Es ist ein auserlesenes Quartett, das den musikalischen Rahmen stellt, in einem außergewöhnlichen Ambiente, gekrönt durch kulinarische Genüsse. Ich freue mich auf einen sehr stilvollen, mit viel Liebe und Perfektion geplanten Abend, der sicher ein kultureller Hochgenuss wird.

All Ihre Hilfe und Unterstützung kommt  1:1 direkt den Kindern zu Gute und jeder einzelne Euro hilft sehr.

Was macht das Konzert zu einem besonderem?

Der persönliche Rahmen und das besondere Herzensengagement der Familie Geilert, aller Mitwirkenden und aller Gäste. Gäbe es Menschen wie Frau und Herrn Geilert, die Musiker und Sie alle nicht, dann gäbe es diese so wichtige Hilfe für die Kinder nicht. Sie helfen einem kleinen Verein mit einer großen Aufgabe! Gerade weil ich persönlich erlebt habe, wie entscheidend diese Hilfe ist, berührt mich das sehr.

Nach dem Konzert hoffe ich sehr, bei einem kleinen Snack mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen.

Wer bei diesem besonderen Ereignis nicht dabei sein kann und die Arbeit des Elternvereins trotzdem unterstützen will, kann gern spenden. Alle Infos finden Sie hier: https://www.kinderkrebsstiftung-leipzig.de/


Mehr Infos zum 16.11. in Altenhof und Ihre Anmeldung unter: https://www.geilert-gmbh.de/events/ 

www.geilert-gmbh.de

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